LNG Projekt in Dubai 

Zwei Kompressortechnologien verbunden

 

Die Stadt Dubai hat mit 2,5 Millionen Einwohnern und jährlich 14 Millionen Touristen einen extrem hohen Energiehunger, unter anderem für Meerwasserentsalzung und Klimatisierung.

Das Unternehmen DUSUP stellt die Energieversorgung des Emirats sicher. Im Jahr 2010 baute DUSUP dafür ein Terminal, das den Import von Flüssigerdgas (in Englisch LNG Liquefied Natural Gas) über eine Floating Storage Regasification Unit (FSRU) ermöglicht. Die FSRU ist ein umgebauter LNG Tanker, der fest verankert ist. Hier wird das verflüssigte, -160°C kalte LNG erwärmt und im gasförmigen Zustand an das Festland befördert.

Aufgrund des gestiegenen Energiebedarfs in Dubai, beauftragte DUSUP bei Excelerate Energy einen größeren und effizienteren FSRU. Bei Excelerates vorhandenem FSRU Explorer wurden die Transferraten auf bis zu 1,2 Mio. m³/h erhöht und zusätzliche Neuerungen installiert. Die FSRU hat jetzt einen LNG-Bunker, um kleine LNG Abnehmer zu beladen. Die Explorer kann jetzt auch LNG Frachter betanken, die das Trockendock verlassen, und Erdgas herunterkühlen.

Das 290 Meter lange und knapp 45 Meter breite Schiff hat eine LNG Speicherkapazität von 151.000 Kubikmetern. Den eigenen Energiebedarf deckt die Explorer mit einem Dual Fuel Generator. Dual Fuel sind Motoren, die zwei Kraftstoffe wie sauberes Erdgas und günstigen Diesel nutzen können. Ein System, das sich derzeit im Schiffsbau durchsetzt, weil sich weltweit die Abgasnormen in den Häfen verschärfen. Die verbesserte Explorer kann somit auch Dual Fuel Schiffe betanken.

 

Kombination aus Radial- und Kolbenverdichter

Um das Erdgas in das nationale Gasnetz einspeisen zu können, muss es an die Anforderungen des Netzbetreibers angepasst werden. Die Anlage zur Einspeisung in das lokale Pipeline-Netz besteht aus einem kombinierten Radial- und einem Kolbenverdichter, ein Gemeinschaftsprojekt von Atlas Copco Gas and Process zusammen mit Langzeitpartner NEUMAN & ESSER. Darüber hinaus lieferte Atlas Copco Gas and Process als führender, international agierender Industriekonzern mit viel Erfahrung im Bereich LNG Kompressoren, ein übergeordnetes Steuerungssystem. Die Ansaugbedingung aus den LNG Tanks für den vorgeschalteten Turbo-Radialverdichter von Atlas Copco ist ca. 1 bar abs. bei -140°C. In den ersten beiden Kompressorstufen verdichtet er permanent 5.500 kg/h Gas auf 6,5 bar.

Von dort aus gelangen etwa 1.000 kg/h zu den Generatoren zur Stromerzeugung bzw. zur Rückverflüssigung des Gases. Im nächsten Schritt komprimiert der zweistufige NEA Verdichter etwa 4.500 kg/h des mittlerweile 40°C warmen Erdgases auf 70 bar. Der Kolbenverdichter schaltet sich bei Energiebedarfsspitzen und Beladungsvorgängen sowie während der gesamten Winterzeit hinzu.

Der NEA Kompressor bietet die hohe Flexibilität der besonders kompakten Lösung. Er arbeitet auch bei variablen Betriebsbedingungen hoch effizient; der Wirkungsgrad ändert sich dabei nicht wesentlich. Somit ist diese kombinierte Anlage aus zwei unterschiedlichen Verdichterprinzipien optimal bei großen Durchsatzmengen und sich verändernden Verhältnissen.

 

Erfolgreiche Integration zweier Technologien

Wie alle Maschinen auf See, benötigt auch diese Anlage eine Marine-Klassifizierung. Definitiv verfügt NEUMAN & ESSER über außerordentliche Erfahrungen bei der Marine-Klassifizierung. Der NEA Kompressor auf der Floating Liquefied Natural Gas Plattform Prelude, der größten schwimmenden Fabrik, die jemals gebaut wurde, sollte die Anforderungen der Marineklasse 1A von Lloyd’s Register of Shipping erfüllen. Der Verdichter musste dafür nachweisen, Böengeschwindigkeiten von bis zu 330 km/h und einer maximalen Wellenhöhe von 27,5 m standzuhalten.

Für NEA Projektleiter Karl-Heinz Hammes lag die Herausforderung nicht nur bei den technischen Aspekten des FSRU Projekts: „Die Koordinationmit Atlas Copco Gas and Process war partnerschaftlichund auf Augenhöhe. Dennoch ist esnicht einfach, die beiden unterschiedlichen Systeme,also einen Radial- und einen Kolbenverdichter,in eine Anlage zu integrieren. Das erfordertviel Abstimmung und Kommunikation allerBeteiligten.“ Dass Karl-Heinz Hammes und seine Mannschaft diese Aufgabe mit Bravour gemeistert haben, lässt sich mittlerweile sogar sehen, denn die Anlage läuft seit einigen Wochen problemlos im Golf von Dubai.

Bei einem neuen Auftrag für den LNG Markt sind die NEA Kolbenkompressoren diesmal auf der kalten Seite wiederzufinden. Die Installation wird in einem LNG Terminal in Russland in der Nähe von St. Petersburg erfolgen. NEUMAN & ESSER liefert hier zwei Kolbenkompressoren bei einer Ansaugtemperatur von -160°C.